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Stress lass nach, wie Kritik weniger weh tut

Egal, ob Kritik berechtigt ist oder nicht, ein bisschen unangenehm ist sie meist. Stress lass nach ist leichter gedacht, als erlebt. Ich habe 3 selbst erlebte Beispiele für Sie wie es gehen kann.

Stress lass nach

Mir ist es wichtig, mein Wissen über Forschungsergebnisse auf dem aktuellen Stand zu halten. Deshalb war der Entschluss, am Kongress für Positive Psychologie in diesem Sommer teilzunehmen und zu referieren, schnell gefasst.

Am Nachmittag des ersten Tages war das Thema Wohlbefinden mit meinem Vortrag aufgerufen. Stress lass nach! Auch wenn ich aufgeregt bin. Als zweite Referentin sprach ich über meine Vortragsarbeit in Unternehmen, bei der ich binnen einer Stunde Wohlbefinden und Produktivität messbar verbessere. Nach dem Vortrag gab es wie immer eine Fragemöglichkeit. Sofort meldete sich eine Professorin aus Kroatien zu Wort. Sie ging direkt zum Angriff über und monierte, dass meine praktische Arbeit hier nichts zu suchen habe, ich ein Studienergebnis falsch zitiere und kein Interesse an Forschungsarbeit hätte. Ich war völlig perplex und erschrocken. Öffentlich kritisiert zu werden und dann noch so aggressiv, ist unangenehm.

1. Stress lass nach denn die Geschichte hat einen guten Ausgang

Grundsätzlich habe ich immer so viel Freude bei einem Vortrag, dass dies ein guter emotionaler Schutzschild ist. Doch auch negative Gefühle wie Ärger und Verunsicherung geben uns wertvolle Hinweise. Deshalb gilt es, sie nicht zu verdrängen, sondern sinnvoll zu nutzen. Ich dachte im Anschluss an die Begebenheit über zwei Dinge nach, die ich auch Ihnen empfehle:

1. Habe ich mein Bestes getan?

2. Was kann ich lernen?

Ja, ich hatte mein Bestes getan. Allerdings fand ich den Kongress tatsächlich zu theorielastig. Wir strahlen unbewusst immer aus, was wir denken und fühlen.

Zu lernen gab es einiges: Ich hätte bei meiner Kongressbewerbung einmal mehr darüber nachdenken können, ob das Format „oral presentation“ zu mir passt, anstatt blind dem Veranstalter zu vertrauen. Besonders ernst nahm ich den Hinweis meiner Kritikerin, dass die Glücksformel 3 : 1 von positiven zu negativen Emotionen für ein gesundes und glückliches Leben von der Forscherin Barbara Fredrickson widerrufen worden war. Ich begann sofort mit der Recherche und fragte außerdem Kollegen. Am Ende stellte sich heraus, dass diese Richtlinie immer wieder in Frage gestellt wird, aber noch als eine Art Minimum gilt. Ich hatte also mein Wissen aktualisiert.

Diese Überlegungen hätten schon für den positiven Ausgang einer unangenehmen Geschichte gereicht. Doch es kam noch besser. Denn mindestens fünf Kollegen sprachen mich freundlich an, um sich zu bedanken, mir zu sagen, wie wichtig gerade mein Praxisvortrag war, wie ihnen die Art der Präsentation gefallen hat oder dass sie mit mir in Kontakt bleiben wollen. Ich habe konkret erfahren, dass das Ende meiner Geschichte sich zum Positiven wendete. Geschenkt bekommen habe ich die Reaktion meiner Kollegen aus aller Welt. Selbst gesteuert habe ich die Lernerfahrung. Mindestens das können wir jederzeit selbst in die Hand nehmen.

2. Jedes Schlechte hat etwas Gutes: wirklich!

Ich habe vor einigen Jahren für die Zusammenarbeit mit meinem geschätzten Autorenkollegen Dr. Nicolai Worm www.nicolai-worm.de einen geplanten Buchtitel in seinem Forum getestet und das geerntet, was wir heute „Shitstorm“ nennen.

Ich hatte beabsichtigt, das Wort „Psycho“ im Buchtitel zu verwenden und dafür eine Menge Schimpf geerntet. Weil viele Leser mit Psychologen schlechte Erfahrungen hatten. Außerdem wurde mir vorgeworfen, dass ich mir kostenlos Wissen und Erfahrungen der Leser aneignen wolle.

Es macht in dieser Situation überhaupt keinen Sinn darüber zu grübeln, dass die Kritik unangemessen oder ungerecht ist. Denn das bringt mich und die Situation nicht weiter und schaukelt höchstens die eigenen Emotionen hoch. Besser ist, nach dem Nützlichen darin zu suchen. Das war in diesem Fall zunächst wieder ein Lerneffekt: Diese Plattform war für meine Umfrage nicht geeignet. Zum anderen habe ich wertvolle Informationen erhalten. Zwar nicht auf angemessene Weise. Doch die Information bleibt. Ich habe z. B. erfahren, dass ich einen bestimmten Begriff nicht verwenden sollte. Dies hat mich davor bewahrt, einen Flop auf dem Buchmarkt zu landen. Damit kommen wir zu einem weiteren guten Werkzeug im Umgang mit Kritik: dem Gedanken, es hätte noch schlimmer kommen können. In meinem Falle dann, wenn ein Buch mit unpassendem Titel im Buchhandel erschienen wäre und anschließend noch viel mehr Leser über den Autor, also mich, hergefallen wären.

3. Schicken Sie Ihr Ego ab und zu in den Urlaub und bauen Sie Stress ab

Vor einigen Wochen habe ich einen Beitrag über die Fußball-WM für das Managermagazin geschrieben: www.manager-magazin.de. Von Fußball habe ich wenig Ahnung und hatte mir deshalb Hilfe im Freundeskreis geholt. Mich interessierte als Psychologin das Phänomen, dass seit 1962 keine Mannschaft den Titel verteidigt hat. Nachdem ich den Beitrag angeboten hatte, erhielt ich von der Redakteurin eine lange Mail mit Änderungsvorschlägen.

Sicher haben Sie das auch schon einmal erlebt: Sie sind voller Begeisterung für Ihre Idee und werden scheinbar ausgebremst. Das kostet in der Regel viel Freude, die man vorher in dieser Angelegenheit hatte. So ging es auch mir.

Meine erste Reaktion wäre beinahe diese gewesen: “wenn Euch mein toller Artikel nicht gefällt, dann lassen wir es eben“. Ich hatte weder Zeit noch Lust auf eine umfassende Überarbeitung. Hier ist meist das Denkhirn für einen Moment ausgeschaltet, weil das Emotionshirn die Regie übernimmt. Wir trennen Person und Sache nicht mehr und vergessen, dass eine Sache durch gemeinsame Überlegungen nur besser werden kann. Kurzum, ein Egospiel, das absolut immer schadet. Uns selbst, der Sache und der Beziehung.

Immerhin besann ich mich darauf, dass mir der Beitrag sehr wichtig war und ich mit der Redakteurin in einem Boot sitze. Um für die Leser besonders gute Beiträge zu verfassen. Nachdem ich durchgeatmet hatte, konnte ich die Hilfe dankbar annehmen und am Ende sehen, wieviel besser der Artikel nach den gemeinsamen Überlegungen war.

Falls Sie durch Kritik doch einmal gestresst sind, können Sie hier mit nur 10 Minuten Aufwand lernen, Ihren Stresspegel selbst zu senken:

Positives Denken lernen und mit Stress besser umgehen