Blog

Posts Tagged Michael Tomoff

3 überraschende Dinge, die ich über das Glück lernte

2018 hat mich das Glück überrascht. Und zwar einige Male und in Facetten, die mir so noch nicht bewusst waren. Da ich gerne festhalte, was mich das Leben lehrt und ich hoffe, dass auch jeder Leser dieses Blogs etwas davon hat, sind hier drei Erkenntnisse, die mir das letzte Jahr versüßt haben.

Michael Tomoff

1. Halten Sie Ihre glücklichen Freunde in der Nähe – auch geografisch.

Meine liebsten Freunde in der WhatsApp-Liste zu fixieren, damit ich mich häufiger bei ihnen melde und sie mir auch visuell aus dem Gedächtnis rutschen, ist für mich Routine.

Auch die physische Nähe zu Freunden ist kein wirkliches Geheimnis, denn eine Umarmung hält eine lange Zeit die positiven Emotionen oben.

Was mir bisher nicht bewusst war: ein glücklicher Freund, der maximal eineinhalb Kilometer weit entfernt lebt, ist ein Garant für mehr Wohlbefinden.

Wie fand man das heraus?

Die Stadt Framingham in Massachusetts stand im Mittelpunkt einer generationsübergreifenden Studie über Glück, die als Framingham Heart Study  bekannt ist (Fowler & Christakis, 2008). Seit 1948 hat die Studie drei Generationen von Framingham-Bewohnern und ihren Nachkommen verfolgt, um Trends zu entdecken. Zum Beispiel den, wie sich das Glück in einer Bevölkerung bewegt.

Hier sind ein paar Lerneffekte von Fowler und Christakis Studie:

  • Individuelles Glück bewegt sich positiv genau wie auch Krankheiten das negativ durch Gruppen von Menschen tun: Es ist ansteckend und „hüpft“ von einem zum anderen.
  • Je mehr glückliche Menschen Sie Ihrem Leben hinzufügen, desto größer ist die positive Wirkung, die das auf Sie haben wird. (Das gilt übrigens nicht für Traurigkeit, was ich sehr beruhigend finde!)
  • Geografisch nahe Freunde (und auch Nachbarn) haben den größten Einfluss auf Ihr eigenes Glück.

Anbei die Abstufung des Effektes (von hohem zu niedrigerem Effekt):

1. Nahe Freunde, die das Freundschaftsverhältnis genauso sehen. („Nah“ bedeutet innerhalb eines Radius von einer Meile. Die tatsächliche Wahrscheinlichkeit für einen positiven Effekt auf die
eigene Happiness beträgt 148%!)
2. Nachbarn
3. Nahestehender Freund (der aber  das Label „Freund“ nicht erwiderte, was der Teilnehmer ihm zuschrieb).
4. In der Nähe befindlicher Freund (eine Person, die der Teilnehmer nicht als Freund benannt hat, die aber behauptet, mit dem Teilnehmer befreundet zu sein).
5. Geschwister in der Nähe
6. Mitbewohnender Ehepartner
7. Ferne Geschwister
8. Nicht ansässiger Ehepartner
9. Nachbarn im gleichen Wohnblock
10. Entfernte Freunde („entfernt“ bedeutet, weiter als eine Meile voneinander entfernt)

Da viele meiner engen Freunde in der Ferne leben, konnte ich diesen größten Effekt (noch) nicht genießen. Das letzte Jahr brachte mir meine Nachbarn aber so nah, so dass sich viel stärkere und schönere Verbindungen ergaben. Und gute Nachbarn zu haben, macht schon einen riesigen Unterschied im Leben!

2. Drücken Sie auch mal Pause beim Streben nach Glück.

Beim Glück ist es ähnlich wie beim Autofahren: eine sichere Geschwindigkeit führt zu weniger Unfällen. Dazu eine kleine Geschichte über zwei Katzen…

Eines Tages kreuzte eine alte, zerrupfte Straßenkatze die Pfade mit einer jüngeren, gestriegelten Katze. Letztere lief verzweifelt herum und versuchte, ihren eigenen Schwanz zu fangen. Die ältere Katze beobachtete dies eine Weile aufmerksam. Als die junge Katze zum Verschnaufen innehielt, fragte die ältere Katze: „Würde es dir was ausmachen, mir zu sagen, was du tust?“ Die junge Katze sagte: „Klar doch! Ich ging zur Philosophischen Katzen-Schule und habe gelernt, dass wir unser Glück in unseren Schwänzen tragen. Also werde ich meinen Schwanz weiter jagen und eines Tages werde ich ihn fangen und ein großes Stück vom Glück bekommen.“ Die ältere Katze antwortete: „Nun, ich war noch nie auf der Philosophischen Katzen-Schule, aber ich stimme zu: Das Glück liegt in unseren Hinterteilen. Ich habe jedoch eine weitere wichtige Erkenntnis gehabt“, sagte die ältere Katze. „Ich habe festgestellt, dass es mir überall hin folgt, wenn ich nur herumlaufe und das Leben genieße.“

June Gruber und ihre Kollegen von der Yale Universität bewiesen diese kätzische Erkenntnis in einer Studie (Gruber, Mauss und Tamir, 2011). Sie stellten fest, dass die Suche nach dem Glück zu erhöhten Erwartungen führen kann, die – wenn sie nicht erfüllt werden – tatsächlich den gegenteiligen Effekt des Glücks hatten.

Anstatt also das Glück auf Biegen und Brechen zu verfolgen, sind wir vielleicht besser damit bedient, es ruhig und überlegt zu verfolgen. Das Ausprobieren neuer Glücksexperimente ist ein guter Weg, solange man die eigenen Erwartungen im Auge behält.

3. Lernen Sie etwas Neues, auch wenn es stressig ist.

Wenn Sie bereit sind, kurzfristig ein wenig mehr Stress auszuhalten, können Sie langfristig stark vom Glück überrascht werden.

Die Forschung sagt, dass Sie durch die neu gelernte Fähigkeit stündlich, täglich und auch langfristig glücklicher sein werden.

Der Nutzen dieser Investition in Zeit und Energie wurde in einer 2009 veröffentlichten Studie dokumentiert (Howell et. al, 2009). Teilnehmer, die Zeit mit Aktivitäten verbrachten, die ihre Kompetenz erhöhten, ihr Bedürfnis nach Autonomie erfüllten oder ihnen halfen, sich mit anderen zu verbinden, berichteten von einem verminderten Glück im Moment, während sie Ihr Glücksgefühl auf stündlicher und täglicher Basis erhöhten.

Der Schlüssel dazu ist die Wahl der richtigen neuen Fertigkeit, die es zu meistern gilt. Welche Herausforderung sollten Sie bewältigen? Welche Möglichkeit nutzen, aus der Komfortzone auszusteigen?

Die größte Zunahmen entstehen mit jedem Verhalten, das eine Person gewählt hat und nicht tun musste. Und das hilft ihnen, ihre Interessen und Ziele voranzutreiben.

Autonomie: vom Glück überrascht

„Laut der Selbstbestimmungstheorie ist eine der Hauptzutaten für die Qualität von Motivation die relative Autonomie der Aktivitäten einer Person. Autonom motiviertes Verhalten ist selbstbestimmt.“ (Tomoff, 2017)

Mein starkes Bedürfnis nach Autonomie war für mich dieses Jahr die größte Überraschung. Dinge selbst zu entscheiden und aus intrinsischer Motivation auszuführen, hat mir viel Freude bereitet. Das Fehlen von Autonomie dagegen brachte viel Frust und Ärger mit sich.

Die Erkenntnis, dass viele meiner Konflikte mit anderen Menschen darauf fußten, gefühlt keine Wahl zu haben oder nur als Auszuführender einer Tätigkeit genutzt zu werden, brachte mir viel Gelassenheit. Denn letztendlich haben wir immer eine Wahl.

Die Erkenntnis verschaffte mir weiterhin die Möglichkeit, andere Wege zu finden, dieses Autonomiebedürfnis zu stillen. Zum Beispiel, indem ich neue Wege vorschlug, mit Alternativen um die Ecke kam oder einfach nein sagen konnte.

Was sind Ihre Aha-Erlebnisse aus dem letzten Jahr? Teilenswert? 😉

Über den Autor
Michael Tomoff ist Diplom-Psychologe, Autor und Trainer für Positive Psychologie.

https://tomoff.de