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Vorsicht Optimierungswahn

Wie zufrieden sind Sie mit dem, was Sie haben und wie Sie sind? So lala? Dann kann es gut sein, dass Sie sich mit dem Optimierungswahn angesteckt haben. Wie geht das?

Ein Übertragungsweg sind falsche Maßstäbe. Vielleicht sind es auch die fehlenden eigenen und deshalb die falschen, die wir von anderen ungeprüft übernehmen. In der Konsumforschung geht man davon aus, dass glückliche Menschen keine guten Käu-fer sind. Man kann sie mit den vielen Dingen, die wir ständig kaufen sollen, nicht ver-führen, sie sind mit sich im Reinen und wissen, dass Konsum nur kurzfristige Befrie-digung verschafft. So wird uns permanent Unzufriedenheit eingeredet, werden Wünsche und Bedürfnisse geschaffen, um uns zum Handeln, sprich kaufen, zu animieren. Dies betrifft nicht nur materielle Dinge. Wir kaufen ja auch Persönlichkeitsseminare, Kommunikationstrainings oder Nahrungsergänzung. Es werden Ideale vermittelt, wie eine großartige Mutter, ein erfolgreicher Chef oder eine attraktive Ehefrau sein soll. Das geht weiter damit, was für Taschen, Autos, Wohnungen „man“ hat, wohin man in den Urlaub fährt, welche Schule die Kinde besuchen „müssen“ usw., wenn man einen bestimmten Lebensstil befürwortet. Auch „dagegen“ oder „anders“ zu sein ist klar definiert. Dies ist unsere Orientierung, sind unsere „must haves“.

Hinzu kommt, dass wir unsere Zielerreichung immer mehr verschieben. Hatte früher ein Ofenbauer einen Auftrag für einen Kamin, war das klar umrissen und er hatte immer den Erfolg der Fertigstellung. War das Ziel junger Frauen, „eine gute Partie“ zu machen, zu heiraten, dann war es erfüllt, wenn man verheiratet war. Heute freuen wir uns nicht mehr einfach so an der Ehe oder Partnerschaft, sondern wollen mehr. Unsere Partner sollen auch noch gut kochen können, tolle Liebhaber und unterhalt-sam sein, uns zum Lachen bringen, gesund und attraktiv sein. Das kann man immer weiter treiben. Ähnliches läuft in der Arbeitswelt ab. Es gibt– vor allem bei allen Büroberufen – kein „geschafft“ mehr. Wir arbeiten und arbeiten und es kommt immer mehr. Denken Sie nur an die E-Mail-Flut. Gerade noch hat man in einer Nachtschicht das Postfach endlich einmal aufgearbeitet, ist der Zustand nach zwei Tagen wie vor-her. Kennen Sie Zielvereinbarungen? Auch sie sind dadurch gekennzeichnet, dass das nächste Ziel, kaum ist das vorherige mit Mühe erfüllt, schon wieder vor einem steht.

Warum machen wir bei diesem Leben mit? Weil uns alternative Ideale verloren gegangen sind. Wir sagen zwar, „Geld ist nicht alles“. Doch 80 % der Bevölkerung ge-hen lieber einer ungeliebten Arbeit nach, als den Mut aufzubringen, nach den eige-nen Wünschen und Talenten zu leben und dafür weniger zu verdienen. Wir haben uns auf einem hohen Konsumniveau in einer behaglichen Komfortzone eingerichtet und die Angst, unseren materiellen Wohlstand zu verlieren, kann körperliche Schmerzen hervorrufen. Fast unbemerkt zahlen wir dafür einen hohen Preis. Wir messen unser Wohlbefinden fast nur noch daran, was wir erreicht haben. Die viel gepriesenen guten alten Werte wie Freundschaft, Liebe oder Gesundheit opfern wir fast unbemerkt dem Kampf um Materielles. Nein?

Nun, wie oft hoffen Sie abends, das Telefon möge nur nicht klingeln und um Himmels willen erst recht niemand spontan vorbei kommen, weil Sie so erschöpft sind und keine Lust auf Unterhaltung mit Freunden haben? Oder wie oft fauchen Sie Ihre liebsten Menschen so an, wie Sie es sich im Arbeitsumfeld nie trauen würden?

Beginnen Sie sich doch öfter einmal zu fragen, was Sie tatsächlich brauchen und was Ihnen gut tut. So können Sie sich unabhängig von Trends machen, selbst gut für sich sorgen und das Leben leben, was zu Ihnen passt.