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Wie Sie mit Stress besser umgehen: Das Fußball-WM-Titelverteidigungsphänomen

Wie Sie mit Stress besser umgehen: Das Fußball-WM-Titelverteidigungsphänomen

10 Schlüssel für Stressbewältigung und Erfolg bei der Arbeit

Sehen Sie sich die Fußball WM an? Wenn ja, aus welchem Grund? Meine Empfehlung lautet: Haben Sie nicht nur Freude am großen Event, sondern lernen Sie etwas über Stress am Arbeitsplatz und die Steigerung von Mitarbeitermotivation. Die Einheit von Leistung und Wohlbefinden steht sowohl hinter dem Erfolg (nicht nur) bei der Fußball WM als auch hinter der Stressreduktion und dem Glücklichsein bei der Arbeit.

Eines vorab:

Erfolg lässt sich nicht garantieren. Was braucht man, um eine Spitzenleistung wie den WM Titel zu wiederholen? Und warum gelingt dies nicht? Seit 1962, nachdem Brasilien den Titel verteidigt hatte, ist dies keiner Fußballmannschaft gelungen.

Erfolg hängt von vielen Einflussfaktoren ab. Die wichtigsten sind:

1. Das Weltmeisterteam hat etwas zu verlieren
… die anderen etwas zu gewinnen. Verlustangst löst im Gehirn negativen Stress aus, den es erst einmal durch Perspektivwechsel zu kontrollieren gilt.

2. Persönliche Ziele können mit dem Teamziel konkurrieren
Spieler werden für immer größere Summen gekauft und verkauft. Das heißt, sie müssen ständig daran arbeiten, ihre Attraktivität für einen neuen Käufer zu erhöhen oder mindestens zu erhalten, um für ihre aktuelle Heimmannschaft interessant zu bleiben. In der blitzschnellen Entscheidung, den Ball im richtigen Moment an jemand anderen, der das Tor schießt, abzugeben, könnte  das individuelle Ziel stärker wirken.

3. Die Arbeitsmotivation bestimmt die Stresswirkung
Fußballer auf WM-Niveau werden außerordentlich gut für ihre Arbeit bezahlt.  In einer Krankenkassenstudie zur Wirkung von Arbeitsmotivation wurde unterschieden zwischen Genussarbeitern und Broterwerbsarbeitern. Letztere sind anfälliger für Stress, Depression und Erschöpfung. Das Ziel, mit dem jemand zur Arbeit geht, hier: aufs Feld läuft, bestimmt, wie stark sich äußerer Druck auswirkt.

4. Positive soziale Emotionen haben Hebenwirkung für den Erfolg
Anders als in den 50er und 60er Jahren wechselt die Zusammensetzung der Teams heute immer schneller. Das heißt, es wird immer wieder neu begonnen, Teamgeist, Vertrauen und gemeinsame Strategien aufzubauen. Verbundenheit, Hilfsbereitschaft oder Sympathie mit Teamkollegen dürften in einem Wirtschaftsunternehmen bei kontinuierlichem Zusammenwachsen von Teams leichter zu erreichen sein als für die WM-Fußballer.

5. Teambildung kann schnell gehen
Kann man in drei Wochen ein motiviertes Team aufstellen? Am 23. Mai hat die deutsche WM- Mannschaft mit dem gemeinsamen Training begonnen. Kann man es so schnell lernen, gemeinsam zu agieren, hinter einer Strategie zu stehen und vor allem eben: eine gute Teamatmosphäre zu schaffen?  In der Regel funktioniert das – wenn alle es wollen.

6. Überforderung kostet Leistung
Auch Fußballer werden älter. Selbst wenn sie von außen betrachtet noch jung sind. Mit den Arbeitsjahren  sinkt in unserer heutigen Welt die Leistungsfähigkeit. Und zwar nicht, weil es ein „Naturgesetz“ des Alterns wäre. Sondern, weil sich die Jahre der Überforderung, der Überanstrengung ohne angemessenen Ausgleich, summieren. Dies umso mehr, wenn mit einem Körper so aggressiv umgegangen wird, wie dies bei Fußballern der Fall ist.

7. Leistungsfähigkeit macht manchmal, was sie will
Vor allem nach Verletzungen. Die WM-Fußballer haben die besten Trainer, mentalen Coaches, Köche, Physiotherapeuten, Ärzte usw. Und doch ist der Körper nicht komplett berechenbar. Die Gefahr ist groß, dass man sich zu früh überfordert und die Leistung wieder sinkt.

8. Erfolg beginnt wirklich im Kopf
Auch wenn man Spitzensportler ist, reagiert man menschlich. Es kann schwer fallen, sowohl mit plötzlichem großen Erfolg, der medialen Aufmerksamkeit, dem vielen Geld, aber auch mit Enttäuschungen und Beschimpfungen der Fans, dem eigenen Versagen usw. sofort klar zu kommen. Sowohl Übermut als auch Zweifel werden von jedem Mannschaftsmitglied mit aufs Feld genommen. Anders als in einem Büro kann man eben nicht sagen: Ich komme heute mal später, weil ich nicht so gut drauf bin. Der Anpfiff ist jetzt.

9. Erwartungen sollten relativiert werden
Wann waren Sie das letzte Mal im Zirkus, Theater oder Konzert? Und wie zufrieden waren Sie? Ich stelle immer wieder fest, dass die vielen Medien wie Fernsehen, Youtube oder DVDs unsere Erwartungen ins Unermessliche steigern. Weil wir ständig Höchst- und Bestleistungen konsumieren, schätzen wir eine kleinere Einzelleistung nicht mehr. Eine Spitzenleistung genau zu einem bestimmten Zeitpunkt abrufen zu können, ist zwar trainier-, aber nicht garantierbar.

10. Spitzenteams dürfen auf sich vertrauen
Seit 1930 gibt es drei Teams – Deutschland, Italien, Brasilien – von denen insgesamt 13 der 20 Titel geholt wurden und von denen seit 1934  regelmäßig eines eine Medaille gewonnen hat. Daraus lässt sich ableiten, dass es doch eher eine Teamleistung als die Einzelleistung eines Superstars ist, die zu Medaillen führt. Denn über eine solch lange Zeit wechseln die Besten im Team und die Teamleistung ist immer mehr als die Summe der Einzelnen. Und wie man anderen Ländern sieht, reicht ein Superstar im WM Team noch nicht aus, um regelmäßig auf ein Treppchen zu kommen.

Erfolgserkenntnisse für den Alltag

1. Veränderungen sind ganz normal. Schauen wir uns die Karrieren einiger der bestbezahlten Fußballspieler an, spielen sie zwei Jahre hier, drei Jahre dort und betrachten dies als ganz normal. Wenn wir etwas als normal betrachten, machen wir es uns leichter, damit zurechtzukommen.

2. Zu Bestleistungen gehört, an sich zu arbeiten. Schaut man sich die Veränderungen im Spielverhalten z.B. von Ronaldo an, wird klar, dass er niemals sagt: So bin ich und so bleibe ich. Sondern lernt, was zu besseren Erfolgen führt und sich darauf einstellt.

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3. Leistung muss trainiert werden. Und zwar täglich. Von Schachspielern und Musikern ist bekannt, dass es ca. 10.000 Wiederholungen braucht, um Spitzenleistungen zu erbringen.

Fazit:

Der Zufall gehört zu Spitzenleistungen genauso wie die Vorbereitung. Wir leben in einer Welt, in der wir alles kontrollieren und vorher bestimmen wollen. Auf das rechte Maß kommt es an. Ziele zu haben und sich dafür einzusetzen und mit Demut zu akzeptieren, nicht alles in der Hand zu haben. Und Leistung auch dann (an)zu erkennen, wenn sie nicht zum ersehnten Ergebnis führt. Ich wünsche unserem Team das bestmögliche Ergebnis.

Foto: shutterstock.74497270